WR: A-Cappella-Nonsens auf Top-Niveau

Arnsberger Ensemble „akzente“ nahm Nachhilfe bei Profis von „Maybebop“ aus Hannover – Konzert im Sauerlandtheater

Das Foto zeigt »akzente« beim Workshop mit Jan Bürger.

Von Jochem Ottersbach

Arnsberg. Frei nach dem Motto „von Profis lernen heißt siegen lernen" nutzte am Samstag das Arnsberger A-Cappella-Ensembles „akzente" die Gelegenheit, von ihren Gästen aus Hannover, der Gruppe „Maybebop", neue Tricks und Techniken zu erfahren. So gab's vor dem gemeinsamen Konzert einen Workshop. Ziel der Arnsberger und ihres Leiters Peter Sölken war es, die erfolgreichen Auftritte weiter zu optimieren. Seit 1998 füllt das „akzente"-Ensemble auch schon große Säle in Stadt und Region.

 

 

Beim Vorsingen wies Maybebop-Lehrmeister Jan Malte Bürger zunächst auf das richtige Tempo des Vortrags hin. Er zeigte, wie man durch Augenkontakt mit dem Publikum kommunizieren sollte und wie durch Singen mit vollem Bewusstsein das Dargebotene von der Bühne aus intensiver rüberkommt, wozu auch die Körperhaltung und die an den Gesangsinhalt angepasste Gestik überzeugend beiträgt. Mit Begeisterung setzten die Sänger die Tipps spontan um. Ihr Song wirkte erheblich lebendiger und dynamischer.

Auch ein starker Abgang nach starkem Auftritt

Der „akzente"-Auftritt mit breit angelegter stimmlicher Palette am Abend desselben Tages im ausverkauften Sauerlandtheater, stimmungsvoll beginnend, wirkte mit witzigen Zwischenansagen frisch und gekonnt. Er hatte die Liebe zum Inhalt, der auch den sich steigernden gesanglichen A-Cappella-Bogen thematisierte und mit Riesenapplaus verdient bedacht wurde.

Was danach aus dem mystischen Dunkel der Bühne trat, war ein Bombardement der Maybebopgruppe von gefühlvollem, frechem und aberwitzigem Liedgut,Klamauk, Parodien und Anklängen an Klassik und Volksmusik von unvergleichlicher Vielfalt und Abwechslungsreichtum. Dazu wurden alle Register gezogen, die das A-Cappella-Genre überhaupt bieten kann. Ohne nennenswerte Ermüdungserscheinungen wirbelten die vier singenden und Instrumente und Geräusche mimenden Virtuosen tänzerisch und schwebend um einander herum über die Bühne und steigerten ihre Darbietungen schon dadurch zu ungeheurer Dynamik. Bekannte Volkslieder wurden vorgetragen, bei denen Texte und Melodien vertauscht waren, um die in einer Quizparodie von Kandidaten aus dem Publikum erraten zu lassen.

Gegen Ende geschah das Unglaubliche. Aus etwa vier bis fünf aus dem Publikum zugerufenen Wörtern, wie z.B. „kaputte Waschmaschine", kreierten die Sänger aus dem Stegreif einen minutenlangen Nonsenstext, in dem die zusammenhanglosen Begriffe vorkamen, der sich obendrein noch reimte und in einem bestimmten Musikstil ins Publikum geschleudert wurde.

»maybebop« beim viel um jubelten Auftritt im Arnsberger Sauerlandtheater.Der Vorschlag „Darmverschluss" wurde als Gospel-Refrain spontan vom Publikum aufgegriffen. RiesigeHeiterkeit erregte „Bauchnabelfussel". als dieser rockig aus dem entsprechenden Körperteil musikalisch meterlang herausgespult wurde und die anderen Begriffe mit hinauszog.

Man erlebte zwei Stunden lang spannungsreich Nonsens, getragen von viel Intelligenz und teils absurdem Ideenreichtum, und hervorragende virtuose Musikalität Das Publikum stand in der ganzen Zeit unter Strom und quittierte das nicht nur mit Applaus, sondern mit anhaltendem Jubel. Die nach stehender Ovation unvermeidliche Zugabe trug ruhigeren Volksliedcharakter. „Damit ihr wieder runterkommt" Das war auch nötig. Beim A-Cappella-Vortrag von „Der Mond ist aufgegangen“ verschwanden die vier Interpreten langsam durch seitliche Ausgänge, sodass ihr getragener Gesang nur noch aus den Lautsprechern auf der einsam gewordenen Buhne drang. Ein starker Abgang nach starkem Auftritt.

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